SXSW 2018 – Das Beste der weltgrößten und innovativsten Interaktiv Konferenz

 

Jahr für Jahr, immer im März, wird der Retailbranche in Austin der Puls gemessen: Lebt der Einzelhandel/Retail noch? Und noch wichtiger: Bleibt er überlebensfähig?

In der Tat mehren sich die Anzeichen von Verfall im Einzelhandel: Tante Emma und der Fachhandel befinden sich weitestgehend auf dem Rückzug, denn E-Commerce ist auf dem Vormarsch! Zwar belaufen sich die Online-Einkäufe auf nur ca. 9,2 Prozent (2016) (Quelle: Handelsverband Deutschland) des Gesamtumsatzes (483 Mrd.€) der Einzelhandelsbranche in Deutschland, doch rechnet man den großen Part der Lebensmittelkäufe heraus, dann liegt der digitale Handel bereits bei ca. 20 Prozent (2016) (Quelle: Handelsverband Deutschland ). Doch kann vom Aussterben oder gar Tod des Einzelhandels keine Rede sein. Etablierte Retailer wie beispielsweise Deichmann, Tom Tailor, Euronics und auch der Markteintritt von Pure Onlinern (Digital Native Vertical Brands) in das Brick N’ Mortar Segment (z.B. Warby Parker, Amazon, Bonobos, …) sind der Beweis, dass der klassische stationäre Retail immer noch einen lukrativen Vertriebsweg bildet.

Trotz der positiven Aussichten, ist die Zukunft des stationären Einzelhandels ein viel diskutiertes Thema und Inhalt von dutzenden Panels und Vorträgen im Rahmen der SXSW. Mit der Quintessenz “retail is not dead but boring retail is dead“ trifft Emily Wengert, Group VP, User Experience at Huge ins Schwarze und fasst die der Ambivalenz zwischen Aussterben und Aufkeimen des stationären Einzelhandels zusammen. Es geht nicht mehr um online vs. offline. Vielmehr stehen das Kundenerlebnis (Customer Experience), Storytelling und Purpose (Value Creation) im Mittelpunkt. Viele Retail-Beispiele zeugen von Kreativität und Innovationskraft und trotzen den negativen Entwicklungen.

Warby Parker Shop

Foto: Warby Parker, Inc.

Amazon Bookstore Shop

Foto: Manuel Kreutz

So auch ein Buchhändler aus Koblenz, der seine Stärken in einen kostenlosen Curated Shopping Service (betreutes Einkaufen) integriert. Kunden können in einem 30-minütigen Beratungstermin bei einem Getränk abseits des Trubels individuelle Buchempfehlungen vom Buchhändler persönlich erhalten. Vor dem eigentlichen Termin übermittelt der Kunde seine Präferenzen, Wünsche und Interessen an den Buchhändler, damit dieser auf Basis der Angaben eine Auswahl an Büchern zusammenstellen kann. Laut dem Buchhändler kaufte jeder Kunde, der den Service bisher in Anspruch nahm, die von ihm vorgeschlagenen Bücher. Im Schnitt waren das sogar drei Bücher pro Kunde → Curated Shopping Service im Buchhandel

Doch auch die Großen der Branche spüren den Bedürfnissen der Kunden nach. Whole Foods Kunden können sich ihre Einkäufe im Lebensmittel Erlebnistempel einfach via Amazon nach hause liefern lassen. Schon zwei Stunden später befinden sich die Tüten vor der Haustür → Whole Foods + Amazon

Whole Foods + Amazon Pick-up Shop

Foto: Manuel Kreutz

Whole Foods + Amazon Pick-up Shop

Foto: Manuel Kreutz

Whole Foods + Amazon Pick-up Shop

Foto: Manuel Kreutz

Whole Foods + Amazon Pick-up Shop

Foto: Manuel Kreutz

“Wenn in der Verbindung von Erlebnis im Outlet und digitalen Services ein Kundenbedürfnis getroffen wird, dann entstehen Retail Innovationen.”

Weiteres Best Practice Beispiele für Omnichannel Lösungen: Bonobos, das Modelabel kommt mit kleinen Stores im Showroom Charakter ohne Lagerraum aus. Bonobos nennt dieses Shop Konzept – Guide Shops. Die Läden führen das gesamte Sortiment auf sehr kleinem Raum. Die Idee dahinter: Jeder Laden ist eigentlich nur ein Showroom. Es sind zwar alle Produkte vorhanden, aber immer nur ein Teil von jeder Konfektionsgröße. Kunden können sich im Laden beraten lassen, die Ware anprobieren und bestellen, jedoch kein Kleidungsstück mit nach Hause nehmen. Die Lieferung erfolgt über die E-Commerce Plattform des ursprünglichen Pure Onliners nach Hause. Der Vorteil für Bonobos liegt in reduzierter Lagerhaltung, geringer Betriebskosten aufgrund niedriger Raummieten und größeren Umsatzchancen durch ein vollständiges Sortiment.

Bonobos Guide Shop

Foto: Bonobos, Inc.

Nordstrom Local – „Das Konzept könnte eine grobe Blaupause für das Shopping-Konzept der Zukunft sein: Kleine Läden mit Freizeit-Ausgeh-Charakter, intensiver Beratung und (fast) unendlichem Lagerbestand.” Das Konzept enthält keine klassische Verkaufsfläche. Außerdem gibt es keinen Warenbestand, d.h. es werden keine Kleidungsstücke präsentiert. Stattdessen besteht ein 280qm großer Store aus acht Ankleidezimmern. Stylisten stellen, nach Terminvereinbarung, mit Hilfe einer App individuelle Outfits für die Kunden zusammen. Die Einzelteile der Outfits werden dann sofort aus umliegenden Nordstrom Filialen zur Anprobe geliefert. Die Wartezeit können die Kunden an der zum Store gehörenden Bar verbringen → Nordstrom Local

Nordstrom Local Shop

Foto: Nordstrom, Inc.

Nordstrom Local Shop

Foto: Nordstrom, Inc.

Nordstrom Local Shop

Foto: Nordstrom, Inc.

Nordstrom Local Shop

Foto: Nordstrom, Inc.

Nordstrom Local Shop

Foto: Nordstrom, Inc.

Erlebnisshopping kann zweifelsohne als einer der zentralen Trends angesehen werden: Ob mit Gadgets bei B8ta, Target Wonderland oder im Karstadt Experience Store. Aktuell sind zahlreiche Konzepte in der Erprobung, um den Einkauf aus Kundensicht zu einem einmaligen Erlebnis zu machen.

Target Wonderland Experience Store - Retail

Foto: Target Brands, Inc.

b8eta Retail Experience Store

Foto: Manuel Kreutz


1 Kommentar

Andre Gronewald · 21. März 2018 um 14:11

Schöner informativer Artikel, wobei ich nicht glaube, dass ein im Shop anprobieren – aber nicht mitnehmen dürfen das Shoppinggefühl wirklich befriedigt.

Vielmehr denke ich das aktuelle “lowhanging fruits” eine Shoppingvorbereitung von zu Haus sein kann. Dadurch eine gezielte Beratung plus vorliegende Auswahl inklusive Alternativen vor Ort, was dem Kunden wiederum ein Gefühl der Wertschätzung vermittelt.

Spannend bleibt es in jedem Falle und ich denke, es können mehr Einzelhändler davon profitieren, als sie es selbst glauben. Don’t be scared by Digitalisierung!

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